Kritischer Kommentar zu „Stadtrat folgt AfD- und CDU-Antrag: Keine neuen Stolpersteine in Heidenau“

Die Tagesschau berichtet am 26. September 2026:

„Die Entscheidung des Heidenauer Stadtrats gegen weitere Stolpersteine stößt auf scharfe Kritik. Während die Antragsteller die Form des Gedenkens infrage stellen, warnen Gegner vor einem Verlust sichtbarer Erinnerung im Alltag. […] Der Stadtrat hat am Donnerstagabend einen entsprechenden Antrag von AfD, CDU und der Bürgerinitiative Oberelbe mehrheitlich beschlossen. Für den interfraktionellen Antrag votierten laut Stadtverwaltung in geheimer Abstimmung 13 Abgeordnete. Sechs Abgeordnete stimmten mit Nein, es gab eine Enthaltung. In dem Beschluss heißt es: ‚Eine Verlegung von sogenannten ‚Stolpersteinen‘ im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich wird künftig abgelehnt.‘ […]

Statt weiterer Stolpersteine soll das Gedenken künftig vor allem auf dem Nordfriedhof der Stadt stattfinden. Diskutiert wurde über eine zentrale Gedenkfläche für Opfer von Krieg, Terror, Diktaturen, Vertreibung und insbesondere des Nationalsozialismus. […] Das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz (AKuBiZ) in Pirna hatte weitere Stolpersteine in Heidenau beantragt. Der Verein reagierte mit scharfer Kritik auf die Stadtrats-Entscheidung. ‚Wir sind entsetzt, wütend und können es nicht verstehen‘, sagte Anne Nitzschke MDR SACHSEN. Der Verein hatte nach eigenen Angaben die Verlegung von zwölf Stolpersteinen für sieben jüdische Familien und Einzelpersonen beantragt. […]

Der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, sprach von einem schäbigen Versuch, Heidenauer Opfer der Nazis erneut aus der Stadt hinauszuwerfen. Dass CDU-Abgeordnete der AfD dabei die Hand reichten, sei ein Skandal. Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch (93) hat das Stolperstein-Verbot zum Gedenken an NS-Opfer scharf kritisiert. Es sei der ‚völlig falsche Weg‘, Orte der Erinnerung aus dem Stadtbild zu entfernen, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie sei ‚entsetzt, dass eine demokratische Partei sich dafür hergibt, ein so durchsichtiges Manöver der Extremisten von der AfD zu unterstützen‘.

Der Direktor der Gedenkstätte Buchenwald, Jens Christian Wagner, sieht dahinter die Absicht, das NS-Gedenken aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. […] Auch die Stiftung des Stolperstein-Initiators Gunter Demnig reagierte empört auf die Entscheidung. Laut Demnig arbeitet die Stiftung europaweit mit rund 3.200 Kommunen zusammen, nur fünf hätten sich gegen Stolpersteine entschieden“.

Auch der Verein „Vevon – Die Verleugneten“ spricht sich gegen die Entscheidung des Stadtrats in Heidenau / Sachsen aus, diesem Antrag von AfD, CDU und der Bürgerinitiative Oberelbe zu folgen.

 

Weiterführende Links:

Beitrag der Tagesschau vom 26.09.2026 (MDR (kav/lum), epd)
Beitrag des Alternativen Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz (AKuBiZ)
Petition „Die Stolpersteine in Heidenau müssen erhalten bleiben!“ der VVN-BdA