Pressmitteilung anlässlich der Einweihung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas am 24. Juni 2026

Anlässlich der Einweihung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas am 24.Juni 2026 im Berliner Tiergarten erklärt der Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus e.V. (vevon):

Wir begrüßen es sehr, dass die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas mit einem Mahnmal im Berliner Tiergarten einen zentralen Ort des Erinnerns erhalten.

Es wird Zeit, dass an einer geeigneten Stelle in Berlin ein zentrales Mahnmal für die lange verleugneten Opfer des Nationalsozialismus errichtet wird.

Der Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus setzt sich dafür ein, dass die von den Nationalsozialisten geschundenen und zum Teil ermordeten Menschen, deren Verfolgung trotz des Bundestagsbeschlusses von 2020 bis heute häufig verleugnet und ignoriert wird, bewusst wahrgenommener und geachteter Teil der deutschen Erinnerungskultur werden. Damit sind gemeint

  • die von den Nationalsozialisten auf Grund sozialpolitischer Stigmatisierung und Verfolgung als „Asoziale“ Diffamierten,1

  • die von den Nationalsozialisten ohne jedes Urteil auf Grund „sozialer Prognosen“ zu „Berufs- “ oder „Gewohnheitsverbrechern“ Erklärten,2

  • die nach einem Abkommen zwischen Himmler und Thierack aus Gefängnissen „zur Vernichtung durch Arbeit“ in die KZ verbrachten „Sicherheitsverwahrten“, darunter vor allem auch die nach dem völkerrechtswidrigen „Polenstrafrecht“ Verurteilten,

  • alle bisher nicht anerkannten Opfer des Nationalsozialismus.

Was kann ein Mahnmal in der Öffentlichkeit bewirken?

Und das Folgende gilt für alle bisher noch unsichtbaren Opfergruppen, von denen heute eine die ihr zustehende Öffentlichkeit bekommt, die anderen warten noch darauf.

Das Mahnmal füllt die jahrzehntelang vorhandene Leerstelle unter den Mahnmalen. Es macht das so lange Unsichtbare öffentlich sichtbar.

Es kann positiv ausdrücken, dass nun die Zeit des Ignorierens, des Exkludierens, der Diffamierung und des Verachtens einer Opfergruppe vorbei ist.

Es kann den längst nicht abgeschlossenen Prozess der Wahrnehmung dieser so lange verleugneten NS-Opfer in Politik und Gesellschaft bildhaft ausdrücken und befördern.

Es kann daran erinnern, dass in der Demokratie auch unangepasste und nonkonformistische Biografien respektvoll zu betrachten sind.

Es wird dem auch in der Gesellschaft längst nicht verschwundenen Diktum „Die waren doch zu Recht im KZ“ etwas entgegensetzen.

Es wird bewirken, dass viele, die unter der jahrzehntelang erfahrenen Ablehnung und Ausgrenzung ihrer familialen Verfolgungsgeschichte gelitten haben, ein Angebot erhalten, sich mit der staatlichen Erinnerungspolitik zu versöhnen.

Es stellt einen Ansporn dar, dass Nachkommen dieser Opfergruppe sich aktiv in die regelmäßigen Erinnerungsveranstaltungen, z. B. in den Gedenkstätten, an den authentischen Erinnerungsorten und in den Parlamenten, einzubringen wagen.

Ein Mahnmal dient nicht unmittelbar der Politischen Bildung. Dafür sind andere Einrichtungen da. Es appelliert vielmehr emotional und fördert die Gewinnung eines moralischen Kompasses beim Betrachter. Es drückt die so lange verweigerte Anerkennung aus. Es ist das, was die Nachkommen der verleugneten Opfer brauchen, weil es ihnen und ihren Vorfahren länger als allen anderen Nazi-Opfern verweigert wurde.

Es ist das, was die Gesellschaft braucht, wenn das ignorante Beschweigen ein Ende haben soll.

 

 


1 In den Konzentrationslagern wurden sie mit dem schwarzen Winkel markiert.

2 In den Konzentrationslagern wurden sie mit dem grünen Winkel markiert.

 

 

Link: Lila und Grüner Winkel – Die Brüder Axe / Leipzig. Pressmitteilung als PDF speichern. Weiterführend Juan F. Álvarez Moreno: „Neues Mahnmal erinnert an verfolgte Zeugen Jehovas“, tageschau.de, 17.06.2026.