Eine Veranstaltung zur Stolpersteinverlegung für Theodor Mingramm (Lange Straße 45 in Hamburg)

„Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus e. V.“. Auf dem Banner steht: „Niemand war zu Recht im KZ.“
Am 05. September 2026 haben wir an Theodor Mingramm erinnert, für den kurz zuvor ein Stolperstein verlegt wurde. Nach einem verregneten Tag hatten wir die Befürchtung, dass die Veranstaltung ins Wasser fallen würde. Zum Glück klarte der Himmel rechtzeitig auf, sodass wir gemeinsam gedenken und den Lebensweg von Theodor Mingramm vorstellen konnten.
Theodor Mingramm wurde am 24.05.1892 in Hamburg geboren. Er wuchs in großer sozialer Not auf. Vor dem Hintergrund schwieriger Familienverhältnisse und hoher Arbeitslosigkeit lebte er auch im Erwachsenenalter in prekären Verhältnissen. Als Ausweg versuchten er und sein Bruder, sich durch die Produktion gefälschter Fünfmarkstücke eine Existenzgrundlage zu sichern.
Nachdem Theodor Mingramm seine Haftstrafe wegen „Münzverbrechens“ abgesessen hatte, wurde er nicht entlassen. Stattdessen wurde für ihn die sogenannte „Sicherungsverwahrung“ angeordnet und umgesetzt. Dies erfolgte auf Grundlage der nationalsozialistischen Gesetzgebung von 1933, die mit dem sogenannten „Gewohnheitsverbrechergesetz“ eine unbefristete Inhaftierung ermöglichte.
Im März 1937 kam es durch die Kriminalpolizei zu Massenverhaftungen von Menschen, die von den Nationalsozialisten als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ stigmatisiert wurden. Während dieser Verhaftungswelle wurde Theodor Mingramm zunächst im Polizeigefängnis Hamburg Fuhlsbüttel inhaftiert und nach drei Tagen ins KZ Lichtenburg eingewiesen. Nach mehr als vier Jahren in verschiedenen Konzentrationslagern wurde Theodor Mingramm am 14.07.1941 im Zuge der Aktion „14f13“ in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet. Diese Mordaktion wurde in der Sprache des Nationalsozialismus auch als „Sonderbehandlung 14f13“ bezeichnet. Hierbei wurden zwischen 1941 und 1944 tausende im KZ inhaftierte Menschen, die von den Nationalsozialisten als „nicht mehr arbeitsfähig“ eingestuft wurden, systematisch vernichtet. Neben Pirna-Sonnenstein gab es die Tötungsanstalten Bernburg und Hartheim.

Niemand war zurecht im KZ. Für ein respektvolles Erinnern an alle verleugneten Opfer des Nationalsozialismus.
Wir danken allen Teilnehmenden, darunter Angehörige von Theodor Mingramm und Mitglieder von VEVON.
Beitrag verfasst von Leonie und Werner Mingramm.